FCC Wappen

Das Los der Farbe

Turnier von FC Suebia und FC Afrostars

Bei dem Turnier in Hausen am vergangenen Samstag unter dem Motto des Württembergischen Fußballverbandes (WFV) „Ein 1:0 für ein Willkommen“ wurde nach Farbe gespielt: Weiss hier, Schwarz da – und natürlich ist der Gewinner Team Blau, denn das sind sie alle gern;-))

Spaß beiseite: Team Blau
hat das Turnier tatsächlich gewonnen – es hätte aber auch ne völlig andere Farbe sein können, denn es gab noch weitere 7 (Farben)-Teams zur Auswahl.

Aber von Vorne:

Zu diesem ungewöhnlichen und wirklich spassigen Fußball-Turnier in Hausen in der Maximillian Kolbe Schule kam es, da sich der FC Suebia Charlottenhöhe beim Württembergischen Fußball-Landesverband im Verlaufe diesen Jahres um einen von der Egidius Braun Stiftung des nationalen Dachverbandes DFB ausgelobten Ideenwettbewerbes für und unter Fußballvereinen zum Thema Integration beworben hatte.
Suebias Bewerbung war das im März 2015 mehr aus Jux und Laune entstandene Spiel gegen die AfroStars – dem FC Afrostars – unter Leitung ihres Trainers Daniel Kahsay (Link zu Planeth Earth, or what?)

Neben weiteren 9 Fußballvereinen des Bezirks

wurde auch Suebias Bewerbung als erfolgreich gewertet und mit einem Betrag von 500 Euro für eine eigene Integrationsidee unterstützt, sofern diese noch im selben Jahr vom jeweiligen Verein umgesetzt würde. Herauskam im Falle Suebias:
Ein Turnier mit unbestimmer Mannschaftszusammensetzung. Rest egal.

50 Teilnehmer

unterschiedlichsten Alters-und Herkunft der Stadt Rottweil und seines Umlandes, sowie der ganzen Welt sind am Start.
Die meisten entstammen Vereinen wie der TG-Altstadt, des SV Zimmerns, Villingendorfs, des Türkischen Vereins Rot Weiß – und des FV 08 Rottweil, auch des Göllsdorfer Vereins, auch ein paar Basketballer vom Rottweiler TSV machten mit, einige KjG-ler und natürlich Suebia und die von ihm als Hauptprotagonisten eingeladenen Teilnehmer bzw. Spieler unbekannter Vereinsherkunft… vielleicht FC Nigeria oder FV Salam Syria oder The Big Arabik Nights…. man sieht also: Alle Vereine die nur ein bisschen über Rottweil und die Kreisliga A hinausgehen, sind Suebias Schreiber Vegas schon ’ne ganze Nummer zu hoch ;-))

Trainer Daniel Kahsay,

konnte allerdings keine geeignete Strategie finden, um seinen Mannen zum Turniersieg zu verhelfen, aber wie auch!?
Denn seine Spieler spielten in unterschiedlichen, nur mit Trikot-Farben gekennzeichneten Mannschaften, deren Spieler-Auswahl auschließlich vom Zufall abhing – das Losverfahren entschied schlicht die Zusammenstellung der Mannschaften!
Wer also als einer der 50 spielwilligen Protagonisten zu Beginn des Turniers aus der Lostrommel beispielsweise die Farbe Orange zog, spielte folglich auch nicht im Team Schwarz oder Weiß, sondern mit dem, na!? Logisch, dem, der dasselbe gezogene Papierstückchen in der Hand hielt.

So klug,

so fein im Gedanke,
so uuuunfassbar einfach, diese Idee Suebias, die deren Turnier-Hautptorgainsator und Vorstand Julian Wilsch sich gegen manche im Vorfeld Suebisch gerunzelte Stirn ausgedacht und umgesetzt hatte.

Durch dieses Turnier

spielten sich in 5 Spielen (gesamt 16 Partien) in jeweils 10-minütigen Spielen bis ins Finale zum Gewinn durch das entscheidende Siebenmeterschießen letztlich das Team Blau:

Till Stauss, Ruben ‚Hustensaft Jüngling‘ Keller, Gero Neher, Emanuelle Ingrao, Richie ‚Poetik‘ und Osas Davda, sowie Abiodun Adenekati.

Auf die Frage, wo Osas und Abdoun herkommen, sagen sie…

…Nigeria,

das laut Daniel Kahsay inzwischen in seinem `Nationen-Sammelsurium` hinsichtlich der Länder-Herkunft seiner Spieler neu hinzugekommen sei.
Im übrigen sieht er auf die Frage, welche Sicht der Dinge auf das Projekt Afrostars für ihn stimmig wäre, dass die Afrostars als „…eine gemischte Bühne“ wahrgenommen würden, da nicht nur Schutz und Hilfe suchende Afrikaner darunter seien, sondern auch ‚Spielermaterial‘ aus anderen Kontinenten wie Asien, auch dem Nahen Osten, selbst Europa wie z. B. Mazedonien.
Daniel, der in Aldingen bei Rottweil lebt, begreift diese Mannschaft als eine „…Brücke zwischen und unter den Kulturen.“

Der jüngste Spieler des Turniers: Fidelis Stehle, 15, 08 Rottweil, inklusive Zahnspange.
Der Älteste: Roger Rehbein, 54.

Khaldaun und Alladin und Rogers Ehefrau Fredericke schmeißen den Spezialitätenstand, in dem der Kuchen `Harese` besonders hervorzuheben ist: Neben Mehl, Milch, Eiern, Hefe, ist Gries, Kokos und Joghurt eines der Hauptbestandteile des Kuchens und, vom Schreiber ein klein wenig auf den Gedanke gehievt: „…with Passion.“

Leidenschaft beim Backen also, so Khaldaun.

Dank an Schulleiter Wiest,

der die Sporthalle der Maximillian Kolbe Schule kostenfrei bereit stellte und gefallen daran fand, als er Anfangs und gegen Ende des Turniers zugegen ist und sagte, dass „…unterschiedlichste Leute in große Altersspanne hier sind, ein lockeres Turnier stattfindet und dass auch die Terminabsprachen mit Suebia. Insbesondere durch den Co-Organisator Wally Kahn sehr gut geklappt und das Drumherum völlig unproblematisch funktioniert habe.“ 
Anderseits, so sagt er mit einem in der Heimat bodenständig verwurzeltem Augenzwinkern: Ist er froh, dass nun nichts kaputt gemacht wurde und er beizeiten die Halle abschließen kann, denn, so vermutet Schreiber Vegas: Hat man ja vielleicht auch noch andere Sachen zu tun;-))

Bild zum Bericht

Steffen Probst, Staffelleiter Fußball des Bezirks Schwarzwald,

überreicht zufällig direkt unter den Augen von Schreiberling Vegas ein paar schöne, moderne und sowas von top erhaltene Kickschuhe an Daniel Kahsay…
Vegas (hastig): Komm, halt ma`, sowas such ich schon ne Weile, das Paar nehm ich…
(Probst lächelnd): „Ne, Du nicht.“
Die Kickschuhe waren tatsächlich sowas von top erhalten, sind seit paar Jahren in Probsts Besitz, sollten Einlagen bekommen, waren aber mit Einlagen zu eng am Fuß…

Überhaupt
kamen einen Haufen Geschenke und Gaben für die Afrostars zusammen, mit denen sie in künftigen Zeiten ne ganze ganze Weile kicken können, Trikots, Schuhe, Stutzen, Bälle…
….sogar das völlig ungebrauchte Bayern München-Trikot des ehemaligen Suebia-Torwarts, Turnier-Co-Piloten und Vorstandes seit erster Stunde Wally Kahn, dass er vor Jahren nur als reine Motivation zu Beginn seiner Abnehmzeit eine ganze Nummer zu klein gekauft und seinem Freund und Turnier-Hauptorganisatoren Julian Wilsch übergeben hatte, mit der Bitte, es ihm eines Tages, wenn es passen würde, zurückzugeben…

Und heute hat es gepasst,
vom Anlaß her,
passen täte es Wally aber schon ne ganze Weile,
inzwischen sogar ne ganze Nummer zu groß, das Trikot des ( erst nach Suebia wohlgemerkt!) Lieblingsvereines von Wally.
Nun gehört das Trikot den Afrostars.

Was solls,
Ihr seid zwar nicht die Besten, aber gehört hald auch dazu, aber wir schaffen das, und wie?

….dazu eine kleine Geschichte zum Abschluß:

Ein Deutscher ausm Schwarzwald wird irgendwo in Afrika eines Tages einmal zu seiner Überraschung von einem afrikanischen Mann gefragt, ob er vielleicht Julian Wilsch und den dünnen Wally Kahn kennt.

Wilsch und den dünnen Wally???

„Ja, denn mit denen hätte sein Papa mal vor vielen Jahren zusammen Fußball gespielt, irgendwie in Rottweil, als Papa als junger Mann ein paar Jahre in Deutschland Hilfe und Schutz suchte, fand, und dort ne zeitlang auch Spieler der Afrostars gewesen war.“

(Der Deutsche ausm Schwarzwald darauf):
Von diesen 2 und den Afrostars hab ich tatsächlich schon mal was gehört, ist ja verrückt. War der eine nicht der, der einmal diese unfassbar einfache, wie herrlich kluge Idee der zufälligen Farbenwahl bei einem Asyl-oder Integrationsfußballdings hatte?

„Genau“, sagt der afrikanische Mann, so hat das mein Papa gesagt. Und dass dieses Turnier damals deswegen allen so viel Spaß gemacht hätte, auch den Zuschauern, weil durch diese zufällige Farbenwahl plötzlich jeder Spieler innerhalb einer Mannschaft sich fast wie aus dem Stehgreif von Anbeginn des Turniers dem anderen näher und näher gefühlt hätte – gemeinsam gewonnen oder gemeinsam wenigstens nicht so hoch verloren oder so. 
’Schwarz oder weiß, oben oder unten‘ war aufeinmal völlig aufgehoben.“

Wie alt ist Dein Papa heute und wo ist er gerade?
„Er ist 76 und ihm geht’s gut, ist aber grade wieder unterwegs.“

Wo?
„Wo genau, weiß ich grad gar nicht, aber er hat immer viel zu tun, weil er meistens durch die Welt reist und Turniere für Erwachsene veranstaltet, mit seiner Fußballmannschaft, die er bald nach seiner Rückkehr aus Deutschland gegründet hat.“

Wie heißt sie?
„FC SAMIECIPHRW e.V.“

Whhaaa…FC SAMIeckrglrg…?
„FC Suebia Afrikans Mission Impossible Enterprises Charlottenhöhe Integration and Passion from Harese Rottweil Wirschaffendas e. V.“

…sa ma, ich glaub ich spinn`, dein Papa ist wohl verrückt geworden, nachdem er aus Deutschland zurückkam, oder was?
„Ja, das kann man fast so sagen, bei dem hat jedenfalls der Jetlag viel länger als nur einen Tag angehalten, das ist manchmal echt nicht mehr lustig gewesen: Fußball, Fußball, Fußball, den ganzen Tag fast nur Fußball und ich kannte keinen, der sich den korrekten Namen unserer Mannschaft merken geschweige denn aussprechen konnte – wir auch nicht – daher hat uns Papa immer wieder Zettel aufgeschrieben, damit wir den Mannschafts-Namen wenigstens vorzeigen konnten.
Wir sagten aber trotzdem immer nur ‚wir sind der FC Suebia aus Afrika‘, das haben alle verstanden, Papa irgendwann zwar auch, aber er sagt aus Prinzip noch heute jedesmal den vollen Namen und alle haben sich längst dran gewöhnt, wenn er von seiner Mannschaft spricht, dass man beim Erwähnen des Namens schon mal kurz die Butterbrote rausholen und n Happen abbeissen oder den kleinen Toilettengang machen kann.“

Ließ er euch Kinder auch Farben ziehen?
„Das war der to-tale Bullshit. Wenn wir spielen wollten, mussten wir anfangs dauernd Farbenstöckchen ziehen, der absolute Mist.“

Du verstandest den Sinn der Farbenwahl per Los als Kind nicht?
„Ne.“

Er meinte damit…
„….jaaaah, schon klar `Kennen lernen und so, Bälle rollen auch ohne, dass man sich versteht…keine Grüppchenbildung, alle sind Gleich, alles Menschen, alle lieb, und nur ja nicht meinen, die einen seien die besten und einzigsten Tollen auf der Welt bla bla bla…`

Ist doch ein sehr weiser Ansatz, oder?
„Aber wir Kinder spielten doch sowieso nach diesem Prinzip und brauchten diesen Farbenscheiß gar nicht. Am meisten hat mich aber daran gestört, dass ich dauernd mein geliebtes FC Suebia-oder FC Bayern-Trikot von Wally die Papa mir beide geschenkt hatte, jemand anders geben musste, sofern ich wieder mal nicht wo Weiß oder wenigstens Rot gezogen hatte, das ging gar nicht.
Aber nach einiger Zeit hat gottseidank endlich sein Jetlag nachgelassen und er hats geschnallt, dass er dieses Farben-Prinzip ja nicht uns beibringen muss, sondern den Erwachsenen. So konnte ich bald in Ruhe immer eines meiner zwei besten Trikots aufm Bolzplatz anbehalten, das war das Wichtigste.“

Was sagt Dein Papa über seine Zeit in Deutschland?
„Das Deutschland ihm in schwerer Zeit geholfen hat.“

Gehst Du auch mal nach Deutschland?
„Ach, ich weiß nicht, ist vielleicht alles n bischen weit, und seit Papa dieses Farbenprinzip ja fast auf der ganzen Welt eingeführt hat, ists auch hier bei uns echt schön und friedlich geworden. Aber grüßen sie mir bitte Julian und den dünnen Wally, wenn sie die vielleicht mal wo treffen sollten.“

Gut, mach ich. Alles Gute für Dich. Tschüß.

Hiermit DAS GROSSE MITEINANDERS WOW des TAGES an die beiden Organisatoren des Turniers und Vorstände Julian Wilsch und Michael ‚Wally Kahn‘ Walerus und ganz besonders für die herrliche und tief berrührende Idee der freien Zusammensetzung der Mannschaften durch das Los der Farbe!!!!